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Schlechte Leistung beim Teammitglied? 4 Ursachen, die Sie leicht „debuggen“ können

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Sie haben Bauchschmerzen vor dem nächsten Mitarbeitergespräch?
Gut. Das ist ein wichtiges Signal.
Aber es bedeutet nicht das, was Sie denken.

Die meisten Führungskräfte glauben, ihre Angst vor kritischem Feedback sei ein Zeichen von Empathie. „Ich will ihn nicht verletzen.“
Das ist – mit Verlaub – Quatsch.

Die Angst ist ein Zeichen von Unklarheit.
Sie fühlen sich unwohl, weil Sie versuchen, eine schlechte Leistung beim Teammitglied auf der falschen Ebene zu lösen. Sie gehen in das Gespräch mit der Haltung: „Ich muss jetzt jemanden kritisieren.“
Kritik ist persönlich. Kritik tut weh. Klar, dass Sie das vermeiden wollen.

Aber was wäre, wenn es gar nicht um Kritik ginge?
Was wäre, wenn die mangelnde Performance einfach nur ein „Bug“ im System ist, den Sie finden müssen?

Als Führungskraft und Technikerin sind Sie brillant darin, komplexe technische Systeme zu debuggen. Aber sobald ein Mensch involviert ist, werfen Sie ihre logischen Fähigkeiten über Bord und hoffen auf „Soft Skills“.

Das ist Unsinn. Menschen sind komplexer als Maschinen, stimmt. Aber unser Verhalten folgt trotzdem immer einer Logik.

Hier ist das Debugging-Protokoll für Minderleistung.
Bevor Sie sich fragen „Wie sage ich es?“, prüfen Sie diese vier Fehlerquellen. Und zwar in dieser Reihenfolge.

Fehlerquelle 1: Der Input-Fehler (Unklare Ziele)

Die häufigste Ursache für schlechte Leistung ist banal: Die Person wusste gar nicht, was genau erwartet wurde.
Wir denken oft: „Das ist doch klar!“
Nee. Meist ist es gar nicht so klar.

„Mach das mal ordentlich“ ist keine Anweisung, das ist ein Ratespiel. Wenn die Kriterien für „Erfolg“ nur in Ihrem Kopf existieren, kann der Mitarbeiter sie nicht erfüllen.

Die Diagnose-Frage: Kann die Person mir in einem Satz sagen, was das Ziel ist – und deckt sich das mit meiner Definition? Mit anderen Worten: Weiß sie, woran sie gemessen wird?

(Voraussetzung ist natürlich, dass Sie wissen, woran Sie Ihr Teammitglied messen.)

Fehlerquelle 2: Der Feedback-Loop (Fehlende Steuerung)

Vielleicht ist das Ziel klar. Aber niemand hat der Person gesagt, dass sie gerade daneben liegt.
Mitarbeiter denken oft, sie machen einen super Job, weil niemand etwas Gegenteiliges sagt. Wenn Sie drei Monate schweigen und dann im Jahresgespräch den Fehler aus dem Februar zitieren, ist das kaum Mitarbeiter-Versagen. Jedes Teammitglied möchte zu jedem Zeitpunkt wissen, wo es steht. Dann gibt es im Jahresgespräch keine Überraschungen mehr – und dann kann es sogar Spaß machen, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen.

Die Diagnose-Frage: Wusste die Person zu jedem Zeitpunkt, wo sie steht?

Fehlerquelle 3: Der Hardware-Fehler (Fehlende Skills)

Ziele klar? Check.

Feedback gegeben? Check.

Trotzdem klappt es nicht. Und nun?

Dann kann die Person es vielleicht einfach nicht. Das ist nicht böse gemeint. Wenn mir die Skills für C++ fehlen, können Sie mich noch so sehr „motivieren“ – der Code wird nicht kompilieren.
Hier hilft kein ernstes Gespräch. Hier hilft nur Training – oder die Einsicht, dass die Person auf der falschen Position sitzt.

Fehlerquelle 4: Der Betriebssystem-Fehler (Fehlende Motivation)

Erst wenn Sie 1, 2 und 3 sicher ausschließen können – erst dann haben Sie ein Motivationsproblem.
Die Person weiß, was sie tun soll. Sie weiß, dass sie es gerade nicht tut. Sie könnte es tun. Aber sie will nicht.
Das ist der einzige Fall, in dem es „menscheln“ könnte. Meine Erfahrung ist jedoch auch hier: Manchmal ist so jemand sogar froh, dass er oder sie nun eine Entscheidung treffen muss. Denn niemand geht ins Büro, um dort zu versagen. Wir alle wollen erfolgreich sein. Doch manchmal fehlt mir der Mut, meinem eigenen Defizit in die Augen zu sehen. Dann brauche ich jemand anderen, der es für mich tut.

Damit ich eine Entscheidung treffen kann.
In 90% der Fälle landen Sie jedoch nicht hier. Wahrscheinlich sogar in 99% der Fälle.

Das Fazit: Wechseln Sie den Frame

Wenn Sie diese Liste durchgehen, merken Sie etwas:
Die Punkte 1 bis 3 sind keine Vorwürfe an den Mitarbeiter. Es sind strukturelle Lücken.
Ein Gespräch über unklare Ziele (1) oder fehlende Skills (3) ist kein „Kritikgespräch“. Es ist ein Klärungsgespräch.

Es fühlt sich nicht an wie ein Angriff, sondern wie gemeinsame Arbeit am System.
Und plötzlich brauchen Sie keinen „Mut“ mehr. Sie brauchen nur noch Ihren analytischen Verstand.

Hören Sie auf, Feedback zu „fühlen“. Fangen Sie an, Führung zu „denken“.

In diesem Sinne: Nutzen Sie Ihre Talente. Die Welt braucht sie.