| Sandra Hergert | Selbstbewusst werden
Sollten Sie sich augenblicklich müde und ausgelaugt fühlen, dann ist dieser Artikel samt Podcast der richtige für Sie. Die Pandemie führt dazu, dass wir mehr Zeit zu Hause verbringen, als vermutlich jemals zuvor, während gleichzeitig das neue "Home-Office" dafür sorgt, dass wir mehr Zeit vor dem Computer verbringen und gleichzeitig den Haushalt und die Kinder versorgen und mit ihnen für die kaum stattfindende Schule lernen.

Psychologen behaupten, dass Menschen am besten mit ihren Emotionen umgehen können, wenn sie sie benennen. Die Idee dahinter klingt bestechend: Wenn Sie wissen, dass Sie traurig, depressiv, wütend oder ärgerlich sind, dann können Sie etwas gegen den Ärger, die Traurigkeit, die Depression usw. unternehmen. 

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das immer stimmt. Sie als meine Leserin oder mein Leser sind vermutlich reflektiert genug, dass Sie auch dann etwas gegen eventuelle schlechte Gefühle unternehmen, wenn Sie nicht genau wissen, wie Sie dieses Gefühl nennen sollen.

Immerhin hat uns die Idee der Psychologen eine neue Erkenntnis gebracht: Der Soziologe Corey Keyes versuchte herauszufinden, warum augenblicklich eine Menge Menschen so etwas wie Stagnation und Leere fühlen und nannte dieses Gefühl "Languishing", was frei übersetzt so etwas wie sich ermattet, ermüdet, erschöpft fühlen, heißt.

Wie Sie burn-out gerade jetzt vermeiden

Languishing scheint eine Art "Vorstufe" zu burn-out zu sein. Zu viel zu tun und zu wenig Anregung (im Sinne von positivem Stress) sind vermutlich die Auslöser für dieses Gefühl.

In meinem Podcast hören Sie mich von Teilnehmern mehrerer Trainings berichten, die gerade jetzt mehr arbeiten, als zu "normalen" Zeiten. Der Computer steht nebenan oder auf dem Küchentisch, warum also nicht noch schnell "die Mails checken", bevor man ins Bett geht?

Warum nicht an allen Meetings teilnehmen - ohne auch nur ein paar Minuten Ruhe zwischendrin - , das Mittagessen ausfallen lassen und am Abend länger arbeiten? Draußen gibt es ohnehin nicht viel zu tun.

Der Punkt ist: Wir sind nicht gemacht für diese Art von Stress

Langandauernder Stress ist nur schwer wieder in den Griff zu bekommen. Der menschliche Körper reagiert, als wäre der Stress nur kurzfristig. Er fährt ganz automatisch alles auf, was normalerweise nach unserer Flucht oder unserem Kampf abgebaut werden könnte.

Wenn Stress zu lange andauert, dann fährt der Körper beständig auf Hochtouren. Ohne Zweifel wissen Sie, dass das keine gute Idee ist.

Die Frage ist also: 

Wie kommen Sie aus dem Dauerstress heraus - wenn sich äußerlich nichts ändert?

An dieser Stelle könnte uns nun doch die Meinung der Psychologen helfen, unser Gefühl beim Namen zu nennen.

Wir könnten uns fragen: Was ist das Gegenteil von "Languishing"?

Kate Sweeny, Professor an der Universität von Kalifornien studierte das Wohlbefinden von 5.115 Menschen in Quarantäne. Das war im Jahr 2020, weswegen die Studie sich auf chinesische Menschen bezieht (die zu diesem Zeitpunkt schon einige Monate in Quarantäne waren).

Sie fand heraus, dass sich diejenigen am wohlsten fühlten, die häufig in einen Flow-Zustand kamen. Optimismus oder Achtsamkeit waren dagegen nicht geeignet, um das eigene Wohlbefinden aufrecht zu erhalten.

Mit dieser Informationen können wir unsere Frage um einiges besser beantworten. Wir können sie konkreter formulieren:

Wie kommen sie regelmäßig in einen flow-zustand ?

Wir können stressvolle Situationen offensichtlich nicht vermeiden. 

Wir können jedoch einen Ausgleich schaffen.

Dieser Ausgleich heißt nicht etwa "positives Denken", er heißt "Flow".

Wie kommen Sie also möglichst regelmäßig in einen Flow-Zustand, wenn ein Meeting das nächste jagt und Sie gleichzeitig den Kindern bei der Schule helfen, kochen, einkaufen und saubermachen?

Ganz offensichtlich geht nicht alles gleichzeitig. 

Das beudetet einerseits, dass Sie sich auf das wichtige konzentrieren müssen, das bedeutet andererseits auch, dass Sie entscheiden müssen, was am wichtigsten ist.

Was also ist, gerade jetzt am wichtigsten?

[Langsam werden wir ja nun zurückfinden, in das, was früher einmal unsere Normalität war: In einen "Flow-Zustand" zu kommen, ist immer wichtig. Es stärkt Sie und baut Stress ab. Die folgenden Punkte sind also immer interessant - unabhängig von jeder Pandemie.]

Wenn wir Flow erreichen wollen, dann können wir diese Frage ziemlich gut beantworten:

1. Bauen Sie kurze Pausen ein

Sie brauchen einen Übergang von einer Aufgabe zur nächsten. 

Statt also von einem Meeting übergangslos ins nächste zu starten, planen Sie 3 - 5 Minuten Pause ein.

Gleiches gilt für den Übergang von einer Aufgabe zur nächsten. Nutzen Sie zum Beispiel einen Timer oder starten Sie mit der Pomodoro-Technik. (Sie stellen einen Timer auf 25min, arbeiten in dieser Zeit, dann folgen 5 min Pause. Alle 3 bis 4 Zyklen bauen Sie eine längere Pause von 10 - 20 min ein).

2. Verschaffen Sie sich Zeit, in der Sie nicht gestört werden

Auch Kinder im Kindergartenalter können sich zumindest für kurze Phasen allein beschäftigen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, ihnen das beizubringen (gleichgültig, ob Sie arbeiten oder nicht).

Da kleine Kinder die Uhr noch nicht lesen können, brauchen sie einen anderen "Marker" - etwas, woran sie erkennen können, ob Sie stören dürfen oder nicht.

Das kann z.B. ein bestimmter Stuhl sein, auf dem Sie sitzen, wenn Sie nicht gestört werden wollen oder ein bestimmtes Zimmer, in dem Sie sich aufhalten. Stellen Sie sich einen Wecker für z.B. 5min (wenn Ihr Kind das gerade erst lernt) und gehen Sie danach in das Zimmer Ihres Kindes und spielen Sie mit, was auch immer es gerade tut. Holen Sie es nicht aus der Konzentration (wenn es also gerade mit Lego oder Kuscheltieren beschäftigt ist, setzen Sie sich dazu und machen mit) und loben Sie es für die kurze Zeit, die es sich allein beschäftigt hat. Verlängern Sie diese Zeit moderat.

3. Planen Sie Zeiten, in denen Sie etwas tun, das Ihnen Freude macht

Ob Sie ein Buch lesen, Puzzle zusammensetzen oder irgendetwas völlig anderes tun, spielt keine Rolle. Diese Zeit ist wichtig - es geht um Ihre Gesundheit.

Sie wollen noch mehr wissen?

Dann hören Sie den dazugehörigen Podcast: "#085 Gehetzt? Hüten Sie sich vor Languishing".

 


Podcast - Anleitung: Podcast - Anleitung: Sie können diesen Podcast direkt hier auf der Seite hören. Gleichzeitig finden Sie ihn auch auf iTunes und Soundcloud (soundcloud hat einen eigenen Player, den Sie sich unproblematisch auf Ihr Handy laden, so dass Sie ganz bequem unterwegs zuhören können.)

Sandra Hergert

Mediator | Coach | Trainer


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