Wie perfektionistisch bin ich eigentlich?

Den Inhalt dieses Artikels habe ich Anfang November an die Frei-Tags-Brief-Leser|innen verschickt. Er verändert meine Herangehensweise an Artikel, Podcasts und kostenfreie Inhalte.


Letzthin durfte ich mir einmal mehr die Frage stellen: “Wie perfektionistisch bin ich eigentlich?”

Offen gestanden, ich mag es, wenn Menschen hohe Ansprüche an sich selbst stellen und nicht unreflektiert Dinge verbreiten, die sie mit ein wenig Nachdenken als unsinnig erkennen könnten.

Womit wir mitten in (meinem) Konflikt sind.

Was ist mit unausgegorenen Gedanken, die im Gespräch mit anderen klarer, definierter und einfach “besser” werden? Wenn wir diese niemandem mitteilen, können sie nicht besser werden.

Und wie passt mein persönlicher Perfektionismus zu dem Wert, der mir mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger, ist: Nämlich persönliche Entwicklung?

Das mag für Sie kein Widerspruch sein. Auf der bewussten Ebene ist er das für mich übrigens auch nicht.

Rein praktisch stelle ich jedoch fest, dass ich “noch nicht ganz perfekte” und zu Ende gedachte Gedanken lieber nicht veröffentliche. Weder als Podcast noch als Blogartikel.

Als ich das erste Mal die Idee des “building in public” gehört habe, also den Mut zu haben, eine Idee bereits in ihren Anfängen zu veröffentlichen und öffentlich dann weiter zu verbessern (durch Feedback von Hörern, Lesern, ebenfalls Interessierten), fand ich diese Idee ebenso faszinierend wie schockierend.

Unfertiges veröffentlichen?!

Das erschien mir geradezu ungeheuerlich!

Es hat mich aufmerksam gemacht darauf, was meine Identität scheinbar aus(ge)macht (hat). Durch Schule und Ausbildung und wofür ich bisher Lob und Anerkennung erhalten habe: Nicht für’s “Rumprobieren” kann ich Ihnen verraten.

Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst: Ich werde meine Gedanken ab sofort schon früher veröffentlichen - als “work in progress”, wenn nötig. Weil ich zum Beispiel noch nicht jeden Gedankengang bis zu Ende verfolgt habe.

Ich werde diese Artikel auf meinem Blog noch als “work in progress” bezeichnen (oha, eine Hintertür).

Meine Frage an Sie: Wo können Sie sich verändern, eine Seite zeigen, die womöglich nur den engsten Freunden oder Ihrem Partner bekannt ist, wo können Sie andere an der Entwicklung Ihrer Ideen, Produkte und Projekte beteiligen?

Ich bin überzeugt, dass uns dieses Denken als Gesellschaft weiterbringt. Wir können die Probleme und Herausforderungen dieser Welt nicht alleine lösen. Das geht nur gemeinsam.

Mit unseren veröffentlichten unfertigen Projekten, unseren ausgesprochenen unausgegorenen Gedanken können wir das üben und daran wachsen. Und wer weiß, vielleicht entsteht im Zusammenspiel mit anderen daraus etwas absolut Großartiges!

In diesem Sinne: Trauen Sie sich.

Herzlichst, Sandra Hergert


Der Frei-Tags-Brief

Niemand löst alle Probleme allein. Der Frei-TagsBrief kommt alle zwei Wochen und ist Ihre Dosis an Inspiration und handfesten Taktiken für mehr Produktivität, Gelassenheit und Durchhaltevermögen - auf die achtsame Art.


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Sandra Hergert

Coach, Mediatorin und Trainerin seit über 20 Jahren und produziere Podcasts seit fast 15 Jahren.

Ich schätze es, wenn Menschen sich selbst reflektieren und wachsen wollen. Mit all den Widersprüchen, die damit einhergehen.

Ich gebe Trainings für Führungskräfte und ihre Teams und Coachings für Menschen wie Sie und ich.


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